Den Rest solltet ihr ja kennen, aber für mich hat der Morgen meistens eher eine Ladung athmosphärischen Bleischrot genau ins Gesicht reserviert.Morgens ist ne komische Zeit. Morgens ist die Schwelle zwischen gestern und heute. Während die einen grade schwer verkatert aus der Bahn kriechen, stehen die anderen mit nem Kaffee in der Hand Spalier, um sich Richtung München zur Arbeit abzusetzen, oder in die Bib, oder weißgottwohin. Man selber schleicht, wenig existent, durch die dicke, feuchte Morgenluft.
Gottseidank gibt's nen Kaffee, der wärmt auf.
Nur nicht in Tokyo, in Tokyo scheint die Mission der Masse vorgegeben, alle in derselben Richtung, alle zur Arbeit. Endlose Menschenströme drängen über Treppen und Bahnsteige, in Züge und durch Ticket Gates. Massenhaft Fluten sie die Tempel ihres täglich Schaffens; Ministerien, Banken, Konzernzentralen. Freundlich willkommen geheißen vom Posten am Tor. Nur einer war die ganze Zeit schon da, der arme Hund, der im Konbini am Straßeneck die Frühschicht schiebt.
Gottseidank gibt's kalten Kaffee in Literflaschen, der entspannt.
Ganz anders wieder der morgen beim Biwak. Seit 3 Uhr früh auf den Beinen, oder -präziser- auf dem Bauch im Alarmposten liegt man da. Man wartet horchend und starrend das Ende der eigenen vierstündigen Schicht ab. Der Kamerad nebenan schnarcht leise, eingepennt, der Held.
Die Minuten vergehen ungezählt, gegen 5 Uhr früh regen sich erste Sonnenstrahlen, erzeugen gespenstische Schatten, die von Baum zu Baum zu huschen scheinen. War das doch wer? Die Finger schließen sich doch vorsichtshalber mal um Gewehr und -vor allem- Alarmleine, die hinten im Lager alle aus den Betten reißen wird. War wohl doch nichts, Entspannung.
Dann passiert doch was, als die Sonne schon halb das Tal geflutet hat. Auf der anderen Seite. Weckruf für den 1. Zug, keine Reaktion. Darauf gemächliches Durchladen eines Gewehrs und Schüsse. Ausbruch wilder Geschäftigkeit; Lärm vom Morgensport.
Dann kommt von hinten die Ablösung polternd herangeschlichen, muss also 6e früh sein. Ablösegespräch, Heimgleiten. Am Lager angekommen ist man fertig, aber noch muss eine Stunde Feuerwache überstanden werden.
Gottseidank bringt der Gruppenführer Kaffee, der hält wach.
Frühstück wird sowieso überbewertet.
Die Verplante Gesellschaft für passende Musik (VGpM) empfiehlt zur Lektüre dieses Textes Infected Mushroom - "Dancing with Kadafi" oder Herr von Grau - "Herbst"
